Character & Typeface.
Über Schriftarten und Persönlichkeit.

Im Englischen steht character für Buchstabe und typeface für die Schriftform – beides eine Ausdrucksform.
Im Englischen steht character für Buchstabe und typeface für die Schriftform – beides eine Ausdrucksform.

Als Grafik Designerin hantiere ich täglich mit Buchstaben, Wörtern und verschiedenen Schriftarten. Ich vergleiche Schriften, wähle und setze sie. Typografie wird zur gestalterischen, ästhetischen Angelegenheit, und so wie ich mit diesem Werkzeug alltäglich arbeite, so geht es den Nicht-Designern beim Lesen. Typografie bekommt doch nur wenig Aufmerksamkeit, da diese meistens auf den gelesenen Inhalt ausgerichtet ist. Typografie wird meist übersehen, dabei ist sie zwar ein technisches Tool, aber genau wie die menschliche Handschrift eine Art Ausdrucksmittel. Sie hat Charakter und Sprache, hilft beim Lesen, kann uns beeinflussen und überraschen. 

Typografie und Kultur

Schrift ist ein Kulturgut, das sich über Jahrhunderte entwickelt hat. Auch die technische Entwicklung seit Gutenbergs Druckerpresse bis zum Desktoppublishing zeigt, dass Typografie mit einer kulturellen Entwicklung in Zusammenhang steht. Das erkennt man auch dort, wo die Geschichte der Schrift mit Architektur und Kunst in einem Zusammenhang steht. Schon die Namen mancher Schriftformen verraten einen Wahrheitsgehalt dieser These. 

Schon die Namen mancher Schriftformen weisen auf den Zusammenhang von Schrift und Kultur.
Schon die Namen mancher Schriftformen weisen auf den Zusammenhang von Schrift und Kultur.

Definition „Typografie“

Der Begriff „Typografie“ leitet sich aus dem griechischen Typos (= Gestalt, Muster) und graphein (= schreiben) ab. Im Grunde geht es entweder um die Lesbarkeit und die damit zusammenhängende Inhaltsaufnahme oder es dreht sich um Typografie als gestalterisches Mittel. In gewisser Weise könnte man Geschriebenes auch als Visualisierung von Sprache benennen, denn das erklärt, dass Schrift sowohl Mittel zur Aufnahme von textlichen Inhalten ist, aber auch über eine eigene Ausdruckskraft verfügt. Bei der Auswahl bezieht der Designer sowohl ästhetische als auch emotionale Überlegungen mit ein.

Lesbarkeit

Wie kommt es, dass manche Zeitungen leichter lesbar sind, als andere? Einerseits lässt sich eine etwas größere Schrift meist besser lesen und zu große Buchstaben erschweren die Aufnahme von größeren Inhaltsmengen. Die Lesbarkeit wird aber natürlich auch durch das Buchstabenbild beeinflusst, genauso wie durch Abstände, Zeilenlängen und Textgliederungen. Auch die Auffälligkeit der Bilder, Macht und Menge der Überschriften prägen das Gesicht jeder Zeitung. Sagt das Schriftbild einer Zeitung nicht doch mehr aus, als man inhaltlich darin lesen kann?

Nehmen wir eine Tageszeitung, die auf einen hohen Informationsgehalt Wert legt. Eine solche will hinsichtlich Gestaltung weitgehend unsichtbar bleiben. (Was aber nicht bedeutet, dass nicht gestaltet wurde!) Sie versucht so unaufgeregt normal zu erscheinen, dass es beim Lesen quasi unbemerkt bleibt und die gesamte Aufmerksamkeit dem Inhalt gilt, der gut aufgenommen werden kann. Völlig anders ist der Ansatz bei Zeitungen die während einer kurzen U-Bahnstrecke möglichst gänzlich durchgeblättert werden sollen. Quietschbunt, eine Headline jagt die andere. Das Auge hetzt über die Seiten und der Informationsgehalt verliert an Bedeutung. 

„Gute Typographie bemerkt man so wenig wie gute Luft zum Atmen. Schlechte merkt man erst, wenn es einem stinkt.“
(Kurt Weidemann)

Optische Eindrücke und Überraschungen

Menschliche Wahrnehmung ist eine komplexe Zusammensetzung aus Sinnesempfindungen und individuellen Erfahrungskomponenten. So ist auch die Inhaltsaufnahme beim Lesen eine Kombination aus Eindrücken, die durch Erfahrung, Gefühle und Denken des Lesers beeinflusst wird. Das Bild zeigt, wie wir durch Erwartungen gelenkt, irritiert bzw. überrascht werden können. 

Wenn die Wahrnehmung durch unsere Erfahrungen irritiert wird, können auch mit Typografie überraschende Effekte erzielt werden.
Wenn die Wahrnehmung durch unsere Erfahrungen irritiert wird, können überraschende Effekte erzielt werden.

Visuelle Rhetorik

Sowie sich in der verbalen Sprache eine in Bildern gefasste Erlebniserzählung von einem wissenschaftlichen Vortrag unterscheidet, so kann man sich bei der rhetorischen Einordnung einer Schrift auch vorstellen, wie die „Stimme“ der gewählten Schrift klingen würde. Die rhetorische Form ist die, die zwischen dem Gesprochenen und Gehörten bzw. dem Gelesenen steht. So kann eine Schrift manchmal schüchtern oder scheu, eine andere aber selbstbewusst im Auftritt sein. 

Zwischen dem gelesenen und dem gesprochenem Wort kann sich – bei passender Schriftwahl –  der Klang einer Stimme entwickeln.
Zwischen dem gelesenen und dem gesprochenen Wort kann sich – bei passender Schriftwahl – der Klang einer Stimme entwickeln.

Eine gekonnt aufgebaute Rede, die von einem schlechten Redner vorgetragen wird, verhält sich in etwa so wie Inhalt und Schrift. Eine professionelle und angemessene Gestaltung erleichtert die Aufnahme einer Botschaft ungemein. Schriftbilder stehen stets im Dienst der Vermittlung eines Inhalts.

Fazit: Typografie zeigt ihren Charakter nicht nur dort, wo sie ein kunstvolles, fokussiertes Auftreten hat. Sie begleitet und leitet uns alltäglich. Sie verleiht dem Geschriebenen Ausdruck und Stimme. In der englischen Sprache werden die Begriffe character für Buchstabe und typeface für die Schriftform verwendet. Zwei Termini die beweisen, dass Typografie als technisches Werkzeug und Informationsvermittler dient, aber auch unzertrennlich mit der menschlicher Ausdrucksweise verbunden ist.

Wer sich über Typografie genauer einlesen möchte, dem kann ich die Typografie-Artikel dieser Seite empfehlen.

Über mich

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